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Das foobar-Experiment - Tagebuch eines Sacred-Skeptikers, Tag 2

Tag 2

Es hat mal wieder ein wenig länger gedauert als geplant, die anstehenden Arbeiten zu erledigen. Doch nun kann ich mit Sacred 2 weitermachen. Auf geht's zum zweiten Tag in Ancaria...

Doch vorher besorge ich mir noch das Sacred Tool, auf das Lobedan mich freundlicherweise hinwies. Angeblich kann man damit die Kameraführung optimieren! Außerdem, so hat er erzählt, gibt es einen freien Speicherslot, der allerdings nur über F9 zugänglich ist. Mithilfe eines weiteren Tools kann man beliebig viele Spielstände speichern. Super! Dann brauche ich ja vielleicht den Savegame-Editor gar nicht, den ich mir schonmal vorsorglich ergooglet hatte!

Das Sacred Tool offenbart seine Nützlichkeit recht schnell. Endlich habe ich eine halbwegs brauchbare 3rd-Person-Kamera. Zwar kann man im Spiel die Kamera immer noch nicht neigen, was bergauf und -ab gelegentlich stört, aber immerhin hat man nun das Gefühl, mittendrin statt nur dabei zu sein. Mit der Funktion, den Mouselook an das Vorwärtslaufen zu koppeln, kommt fast eine Kotor-Steuerung dabei heraus. Ich wünschte mir, jemand würde so ein cooles Teil mal für NWN2 programmieren.

Die heutige Ausgabe widme ich mal den sogenannten Kampfkünsten in S2. Ich werde mir immer mal einen Teil des Gameplays herausgreifen und versuchen, ihn anfängertauglich zu beschreiben. Was sind also Kampfkünste? Naja, irgendwie alles, was über das einfache Mal-mit-der-angelegten-Waffe-draufhauen hinaus geht. Besondere Nahkampfangriffe zählen ebenso zur Kampfkunst wie die Anwendung von Magie.

Kampfkünste kann man nicht erlernen, man muss sie finden! Eingefleischte Rollenspieler mögen nun die Stirn runzeln, aber vielleicht ist dieses System bei einem Spiel, das Jagen und Sammeln in den Vordergrund stellt, letztlich nur konsequent. Im Spielverlauf lässt gelegentlich mal ein besiegter NPC eine Rune fallen, die man einlesen kann. Jede Rune steht für eine ganz bestimmte Kampfkunst (KK). Man findet auch Runen, die der eigene Charakter gar nicht benutzen kann. Jedoch sollte man sich hüten, diese einfach so zu verkaufen. Denn bei sogenannten Runenmeistern kann man sie in nützliche Runen umtauschen. Kostet allerdings eine Kleinigkeit.

Mit der ersten gefundenen und eingelesenen Rune schaltet man die jeweilige Kampfkunst frei. Weitere Runen des selben Typs verstärken die KK. Dummerweise wird mit jeder Verstärkung auch der Cooldown (die Wartezeit, bis man diese Kampfkunst ein zweites Mal einsetzen kann) erhöht. Es kann also passieren, dass man jede KK nur einmal pro Kampf einsetzen kann. Irgendwie seltsam, erwartet man doch, dass Charakterverbesserungen... nun ja, eben Verbesserungen sind und keine Verschlechterungen.

Und während des Cooldowns der einen eine andere Kampfkunst einzusetzen, hat auch seine Tücken. Denn als Problem stellt sich das Interface dar. So gibt es zwar eine Reihe von Knöpfen zum schnellen Zugriff auf häufig benötigte Funktionen, aber die sind leider immer zweckgebunden. In den einen Slot kann man nur Kampfkünste legen, in den anderen nur Waffen, in den nächsten nur Heiltränke. Wenn man höher aufsteigt, kommen zusätzliche Slots hinzu. Dennoch ist es lästig, sich nicht die Funktionen, die man wirklich braucht, selbst zusammen stellen zu können. Warum keine universelle Hotbar, wo man alles reinlegen kann (Waffen, Tränke, Zauber, etc.)? Die dürfte ja auch beim Leveln mitwachsen...

Allen Widrigkeiten zum Trotze erledigt meine Hochelfe souverän die offenen Quests in Schlehenfurt. Der erste wirklich ernstzunehmende Gegner ist ein Koboldkönig, den sie besiegen muss. Nur dank eines ausreichenden Vorrats an Heiltränken war dieser Kampf zu gewinnen. Hier ist dann auch zum ersten Mal das Inventar voll und ich muss einige weniger wertvolle Stücke wegwerfen. Schade drum.
Wie immer geizt das Spiel nicht mit Humor. Als meine Hochelfe Schlehenfurt betritt, betet sie: "Bitte lass es eine Stadt sein! Lass es eine Stadt sein! Lass es eine Stadt sein! Lass es eine Stadt sein!", nur um dann enttäuscht festzustellen: "Es ist... ein Dorf!"
Daneben habe ich dort zum ersten Mal Gelegenheit gehabt, der Unterhaltung zweier NPCs zu lauschen, die sich über die Unverschämtheit und Unzuverlässigkeit ihrer menschlichen Sklaven auslassen. Sehr schön.

Schließlich ist Schlehenfurt abgegrast und ich mache mich dann auf nach Thylysium, der Hauptstadt des Elfenreiches. Im Moment gibt sich der Hauptquest noch zahm. Die Aufgabe, die Steuergelder in die Hauptstadt zu bringen, vermittelt vorerst wenig Spannung. Aber warten wir es ab.

In Thylysium angekommen mangelt es der Stadt gewiss nicht an Questgebern. Auch hier haben wir wieder einmal lustige Elemente. Im Hafen finde ich einen kleinen Kobold, der sich als Elfe entpuppt und mich bittet, Weihnachten zu retten. Auf geht es in ein winterliches Weihnachtstal, um, dem fehlenden Christentum zum Trotze, das traditionsreiche Fest zu retten. Zur Belohnung erhält meine Hochelfe für ihre Mühen vom Weihnachtsoger (ja, Oger!) ihr erstes vollständiges Rüstungsset. Endlich passt ihre Kleidung mal farblich zusammen und sieht nicht mehr aus, wie wild aus der Altkleidersammlung zusammen geschustert. Ein Jammer nur, dass die Rüstung bald schon wieder obsolet ist und durch eine bessere ersetzt werden muss.

Denn wie der Charakter selbst hat auch jeder Gegenstand einen Level, der seine Fähigkeiten festlegt. Nur ändert sich dieser nicht mehr. Während der Held (genau wie seine Gegner) also immer mächtiger wird, bleibt die Rüstung zurück. Hier stellt sich mir, als Hack&Slay-Unerfahrenem, die Frage, warum man nicht eine einmal gefundene Rüstung, an der man Gefallen findet, einfach behalten kann. Man könnte doch "Rüstungs-Meister" einbauen, die gegen durchaus stattliches Entgeld eine vorhandene Rüstung auf einen aktuellen Level anheben. Die Motivation zum Sammeln bliebe erhalten, schließlich muss man diese Dienstleistung ja bezahlen. Und man könnte dann wenigstens gutaussehend Arcania so lange unsicher machen, bis man ein noch besseres Set komplett zusammen hat.

Der Hauptquest nimmt langsam Fahrt auf. Zum ersten Mal deuten sich Intrigen und Konflikte in der Hochelfen-Regierung an. Der korrupte Klerus und der nicht minder korrupte Adel ringen anscheinend im die Macht. Das klingt vielversprechend, hoffentlich wird da noch was draus! Meine nächste Mission führt mich ins Reich der Menschen, aber vorerst ruft mein Bett nach mir.

Fazit des Tages: Das Leveln der Kampfkünste ist zwar spieltechnisch sinnvoll, hinterlässt wegen des wachsenden Cooldowns aber einen fahlen Beigeschmack. Das durchaus hübsche Interface wirkt unflexibel auf mich und es ist schade, dass man liebgewonnene Ausrüstung nicht nachträglich aufwerten kann. Im Gegenzug punktete das Spiel mit einer spaßigen Mission und amüsant-atmosphärischen NPC-Unterhaltungen. Und die witzigen Sprüche meiner Hochelfe habe ich anscheinend auch noch nicht alle gehört, zumindest kommt immer mal wieder ein neuer dazu. Der Hauptquest lässt auf eine spannende Geschichte hoffen.


geschrieben von foobar | Im Forum diskutieren