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Das foobar-Experiment - Tagebuch eines Sacred-Skeptikers, Tag 4

Tag 4

Viel Zeit hatte ich heute nicht zur Verfügung, aber ich habe abends trotzdem noch ein wenig S2 gespielt. Nachdem ich erfahren habe, dass die Entwickler offenbar tatsächlich in letzter Sekunde einen Mauslook nachgerüstet haben, welcher nur über die mittlere Maustaste zur Verfügung steht, rüste ich mein SetPoint erst einmal mit uberOptions aus, um meiner Logitech MX Revolution einen Mittelklick verpassen zu können. Funktioniert problemlos!

Doch zunächst mal befassen wir uns mit dem Handel. Eine überaus wichtige Funktion im Spiel. Praktisch jeder Gegner, den man besiegt, lässt Gegenstände fallen. Man darf sich bei Spielen wie S2 dann aber nicht fragen, warum zum Geier eine Ratte eigentlich einen Turmschild mit sich herum trägt. Oder warum die Sachen bunt leuchten. Als praktisch entpuppt sich eine Funktion, mit der man alles aufsammeln kann, was im Umkreis so herum liegt. Unsereins muss sich da erstmal überwinden, all diese Dinge als nützliche Hilfsmittel anzuerkennen. Es geht in S2 eben um das Jagen und Sammeln. Also gibt es viel zu sammeln und da ist eine Hilfestellung nicht verkehrt.

Würde in einem "richtigen" RPG ein getöteter Gegner Gegenstände im Inventar haben, die da nicht hingehören, würde ich dem Entwickler prompt Unfähigkeit attestieren. Ratten haben Fleisch und vielleicht noch Fell oder irgendwelche Innereien für alchemistische Experimente. Aber keine Langschwerter oder Plattenpanzer. Doch wie gesagt: Hack-and-Slay, da gelten andere Regeln. Hier heißt es: Völlig egal, wie der Turmschild in die Ratte kam, Hauptsache, ich habe endlich einen!

Wirklich zum Heulen ist aber, wenn dann tatsächlich nach stundenlangem Spiel endlich mal wieder ein Gegner eines der wahrhaft raren Set-Items (Teile einer besonderen Komplettausrüstung) fallen lässt und das dann zum dritten Mal die "Armschienen der Vergeltung" sind. Ich wiederhole hier mal meine Forderung nach einem Rüstungsmeister. Warum kann ich die jetzt nicht umtauschen in einmal "Stiefel der Vergeltung" und einmal "Brustpanzer der Vergeltung"? Irgendwie ist es sehr frustrierend, immer genau die superseltenen Dinge zu finden, die man schon längst hat.

Diese, fachmännisch "Drops" oder "Loot" genannten Gegenstände, schleppt man - sofern man sie nicht selbst gebrauchen kann - zu einem Händler, um sie in Geld umzuwandeln und sich dafür die Ausrüstung zu kaufen, die man gebrauchen kann. Gerade zum Runentausch braucht man viel Geld.

Wenn das Inventar auf einer Mission voll ist, dann muss man aber nicht (so wie ich Dussel beim Koboldkönig) den Kram einfach wegwerfen, um Platz zu schaffen. Man kann es auch "sofort unter Wert verkaufen", wie sich diese praktische Funktion nennt. Den Knopf dafür hatte ich sogar bei meiner ersten Erforschung der grafischen Oberfläche entdeckt, aber dann wohl gleich wieder vergessen.

Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass das aber auch wieder mal ein für RPG-Spieler befremdliches Element ist. Wie kann man was verkaufen, wenn niemand da ist, der es einem abkauft? In S2 geht's halt. Man kann jeden Gegenstand sofort in Geld verwandeln und muss nicht erst einen Händler suchen. Allerdings kriegt man bei einem Händler bessere Preise, das Verkaufen unter Wert sollte man also nur benutzen, wenn es wirklich notwendig ist.

Ansonsten läuft der Handel so ab, wie man es von anderen Spielen kennt. Die Händler haben scheinbar unbegrenzte Goldvorräte und die Preise sind offenbar überall gleich. Das würden Hardcore-Rollenspieler auch kritisieren, aber ich konnte in Gothic 2 immer gut damit leben. Ich will spannende Geschichten erleben und keine Wirtschaftssimulation spielen. Das Händlerinventar ist offenbar zufallsgeneriert und levelabhängig. Also Obacht, einmal verkaufte Dinge kann man u.U. nicht mehr zurückkaufen.

Nützlich ist in diesem Zusammenhang die Tastenkombination Strg + linke Maustaste, bei der man die Gegenstände mit einem Klick verkaufen kann. Das Drag-and-Drop wird auf Dauer sehr ermüdend.

Inhaltlich komme ich mit meiner Hochelfe gut voran und stolpere in Orkenpfad über einen NPC, der mich auf "spezielle Reittiere" hinweist. Oha! Der Sache gehen wir aber doch mal nach. Da gibt es wohl ganz besondere, für jeden Charakter einmalige Reittiere. Dazu muss man eine Insel namens "Mount Island" aufsuchen. Ich würde ja an dieser Stelle den Einfallsreichtum der Entwickler bei der Namensgebung kritisieren, wenn ich nicht wüsste, wie das Ulu-Mulu in Gothic zu seinem Namen gekommen ist.

Auf der Insel gibt es die Reittiere natürlich nicht geschenkt, man muss schon was dafür tun. Und eine volle Geldbörse mitbringen. Am Ende nenne ich einen weißen Feendrachen mein eigen. Erste Tests zeigen, dass er deutlich nützlicher ist als die Rohsalamis, die es bisher zu kaufen gab. Was das Aussehen betrifft - nun ja, sagen wir es mal so: Ich könnte mir diesen Drachen auch gut zusammen mit "Fantasy-Barbie" für 29,95 im Spielzeuggeschäft vorstellen. Die Schattenspinne des Inquisitors sah wesentlich cooler aus, aber leider hat man in dem Punkt keine Wahl. Hochelfen kriegen Feendrachen. Wenigstens kann man von deren Rücken auch zaubern und das Vieh kann sogar schneller fliegen als sein Reiter laufen kann! In einer riesigen Welt wie Ancaria ist so ein Fortbewegungsmittel tatsächlich eine praktische Sache.

Mit Erschrecken stelle ich fest, dass der Abend dem sehr frühen Morgen gewichen ist und begebe mich schleunigst ins Bett, um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.

Fazit des Tages: Der vielleicht etwas zu niedlich geratene "Special Mount" (also das besondere Reittier) macht einen sehr nützlichen Eindruck und lässt meine Hochelfe wieder ein Stück einzigartiger wirken. Die zahlreichen Komfortfunktionen des Spiels schlagen weitere Dellen in die arg gebeutelte Glaubwürdigkeit der Welt, erweisen sich aber in der Praxis und bei den gesetzten Schwerpunkten von S2 als überaus hilfreich. Hat man sich einmal daran gewöhnt, will man sie nicht mehr missen. Nur der Zufallsgenerator für die Set-Items sorgt für die eine oder andere herausgebissene Stelle an meiner Tischkante.


geschrieben von foobar | Im Forum diskutieren