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Das foobar-Experiment - Tagebuch eines Sacred-Skeptikers, Fazit

Fazit

Da geht es nun zu Ende, mein kleines Tagebuch über meine ersten Gehversuche mit Sacred 2. Und natürlich stellt sich die Frage: Was kann der böse Rollenspieler diesem Spiel nun abgewinnen? Wo liegen Stärken und wo Schwächen? Hat das Spiel mich erleuchtet oder war es doch wie erwartet meilenweit an meinem persönlich Geschmack vorbei?

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und mich entschlossen, das eigentliche Spielkonzept - wie ich es verstanden habe - so wenig wie möglich anzugreifen. Natürlich könnte man S2 in meinen Augen dadurch verbessern, dass man es zu einem "richtigen" RPG umbaut. Die Frage ist aber, ob dies im Sinne der Hauptzielgruppe ist. Ich selbst finde es ja auch wenig berauschend, wenn ein Vertreter der Hack-and-Slay-Fraktion bei uns im RISEN-Forum aufschlägt und dort die Abschaffung dieser so furchtbar langweiligen Dialoge, mehr Kämpfe und mehr sammelbare Items fordert. Ich bin kein großer Freund dieser Versuche der Spieleindustrie, die Zielgruppe durch unüberlegte Genrevermischungen zu maximieren. Lieber für jede Art von Spieler ein eigenes Spiel, wo man dann weitgehend auf faule Kompromisse verzichten kann.

Dennoch möchte ich nur einmal kurz zur Diskussion stellen, ob ein wenig mehr Story im Spiel wirklich das Konzept umkrempeln würde. Die Hauptstory von S2 wirkt auf mich an einigen Punkten etwas... nun, sagen wir feigenblattartig. Das große Elfenimperium, das aber langsam dekadent wird und vom inneren Zwist zwischen Klerus und Adel gespalten wird. Die Orks als wilde Barbaren mit einem Sinn für Ehre, die ständig mit Streitigkeiten zwischen den Clans zu kämpfen haben. Die Echsenmenschen im Sumpf mit ihrem starken Familienbezug und die Wüstenbewohner mit ihrem Kampf um die Thronfolge. Der Showdown in der Großen Maschine, mit dem Wettlauf darum, wer als erster den Schalter erreicht...
Alle diese Dinge zeigen großes Potential, wurden aber meiner Meinung nach nur unzureichend umgesetzt. Wäre es wirklich so schrecklich, wenn man daraus mehr gemacht hätte? Wenn man diese Geschichten besser und tiefer präsentiert und enger miteinander verwoben hätte? Wenn die Stammspieler nun laut aufschreien und nichts davon wissen wollen, ok, dann lassen wir es. Ich wollte es nur mal kurz anregen.

Grafisch ist das Spiel in Ordnung, wenngleich es da natürlich immer Verbesserungspotential gibt. Speziell die blau eingefärbten Flussbette sind mir hier negativ in Erinnerung geblieben. Am Sound und insbesondere der Musik habe ich nichts auszusetzen, die sind sehr gelungen. Der Humor im Spiel hat seinen eigenen Reiz und passt recht gut ins Konzept. Die vielen unterschiedlichen Regionen bringen ständig Abwechslung in die Welt.

Die Kämpfe sind aus meiner Warte aus betrachtet in Ordnung. Ich muss dazu sagen, dass ich niemand bin, der großen Spaß daraus zieht, sich stundenlang mit einem bestimmten Gegner herum zu prügeln. Meine bescheidenen Ansprüche an die Kämpfe werden also erfüllt. Einziger Kritikpunkt bleibt die hohe Anzahl wenig anspruchsvoller Gegner. Weniger Feinde pro Quadratmeter, die dafür ruhig etwas stärker sein dürften, fände ich deutlich besser. Denn irgendwie nervt es, wenn man auf dem Weg von A nach B dem einhundertzweiundfünfzigsten Rattenrudel über den Weg läuft.

Das Sammeln von immer besseren Gegenständen, insbesondere Rüstungen, ist an sich ganz gut gelungen, jedenfalls, soweit ich das mit meiner begrenzten Erfahrung in diesem Bereich zu beurteilen vermag. Was ich allerdings frustrierend finde, ist, dass ich das Spiel nun komplett durch habe und nicht einziges grünes Rüstungsset komplett zusammen habe (von dem Weihnachtsset, das nun mit dem neuen Patch vermutlich nicht mehr erhältlich ist, mal abgesehen). Dafür habe ich bestimmt fünf Mal die "Armschienen der Himmlischen" gefunden, mit denen meine Hochelfe aber nichts anfangen konnte - nur die Seraphim können so ein Teil anlegen. Ich hatte am Ende doch nicht unbeträchtliche Geldmittel zur Verfügung, also wäre ein Rüstungsmeister, der mir solche Set-Items gegen Gold umtauscht, sehr gelegen gekommen.

Sollte Ascaron die gegenwärtige Krise überstehen und ein Sacred 3 irgendwann mal auf dem Plan stehen, wären diese drei Punkte (Story, Gegnerdichte, Rüstungsmeister) meine wichtigsten Wünsche.

Als Fazit kann ich bestätigen, dass Sacred 2 als kurzweiliges Prügelspiel für Zwischendurch mit flotten und selbstironischen Sprüchen durchaus eine gute Figur abgibt. Mein Herz gehört auch weiterhin den klassischen und den storybasierten RPGs, aber da von Sacred 2 eine kostenlose Demo verfügbar ist, würde ich jedem mit ein wenig Neugier auf diese Art von Spiel empfehlen, es einfach mal auszuprobieren. Der Hauptnachteil des Spiels ist in meinen Augen nicht inhaltlicher Natur: Der Kopierschutz in Form einer Onlineaktivierung bewirkt, dass man das Spiel in der PC-Version nicht kaufen, sondern nur mieten kann.

Und nun entschuldigt mich, ich muss mir eine Seraphim erschaffen...


geschrieben von foobar | Im Forum diskutieren